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Morgan Freeman von Andreas NeubauerMorgan Freeman

ONE-ON-ONE
Andreas Neubauer

Aus dem Magazin Schnappschuss No. 55

Andreas Neubauer wurde 1965 in München geboren und pendelt heute zwischen seiner Geburtsstadt und seiner Wahlheimat Berlin.
Neben zahlreichen Ausstellungen veröffentlicht er regelmäßig Bücher wie beispielsweise sein 1998 erschienenes und gerade erst wiederaufgelegtes
„Hoppes Traum – Das sagenhafte Weesenstein“.
Für Neubauer und seine Fotografie zählt nur das Eins-zu-Eins zwischen Model und Fotograf.
Nach einer Schauspielausbildung wechselte er die Seiten und begann Schauspielerinnen und Schauspieler zu inszenieren und abzulichten. Der Fotograf beschreibt uns in dieser Ausgabe seine ersten Schritte und seine Haltung zur Schwarz-Weiß-Fotografie.

Ich bin Andreas Neubauer und ich bin Fotograf, geboren mitten in die Hippie-Zeit in München, im Jahr 1965.
Mein Traum war es zunächst Schauspieler zu werden,doch vor Publikum auftreten fiel mir schwer. Auch heute arbeite ich nach wie vor am liebsten one on one. Meine Leidenschaft zur Fotografie entdeckte ich durch Jon, einen Freund. Auf Urlaubsreisen sah ich immer zu, wie er mich in Szene setzte, doch wenn ich ihn fotografieren sollte, gab er mir stets den Bildausschnitt vor. Das färbte ab.

Also sparte ich über ein Jahr um mir meine erste Kamera, eine Nikon FM2, zu kaufen. Ich begann Freunde zu portraitieren, später wurden es Schauspieler.

Auf großen Festivals, wie Cannes, der Berlinale oder der Biennale sah ich meine Chance Schauspieler zu treffen. Aber wer mehr will als nur ein Bild am roten Teppich zu erhaschen, wird merken, dass dies ein Knochenjob ist. Im Laufe meiner Karriere gab es für mich immer wieder Schlüsselmomente, die mir zeigten, dass der Beruf „Fotograf“ nie ein leichter sein wird.

„Und irgendwie fand sie dazwischen noch Zeit für eine Foto-Session mit mir.“

Panorama Nudes von Andreas NeubauerAus der Serie „Panorama Nudes"
Katharina Thalbach

Ein Vortrag der Fotografin Gabo war damals für mich als Anfänger sehr wichtig. Sie erzählte sehr witzig wie sie vom Stern beauftragt auf einen Star traf, der nicht wollte. Doch sie hatte einen Plan B, um diesen doch noch zu überzeugen.

Junge Fotografen denken oft, wenn sie erstmal einiges erreicht haben, dann wird es einfacher. Dem ist aber leider nicht so. Nicht selten vergehen Monate, sogar Jahre, bis ein Einzeltermin wirklich zustande kommt, den ich vorher auf einem Festival an Land gezogen hatte.

Auch wenn es mit großen Stars oft einfacher ist als mit sogenannten Shooting-Stars, so stand die britischen Schauspielerin Emma Thompson fünf Stunden für mich im Regen, um dann am Abend zu sagen: „Andreas jetzt hast du mich nur im Regen, lass uns Morgen noch was machen damit du auch Sonne hast.“

Einen weiteren Schlüsselmoment erlebte ich mit der deutschen Schauspielerin Meret Becker. Meret drehte damals parallel einen Kino- sowie TV-Film und trat nachts sogar noch im Spiegelzelt mit ihrer eigenen Show auf.

Und irgendwie fand sie dazwischen noch Zeit für eine Foto-Session mit mir.

So wechselte ich mein Arbeitstempo und ging mehrere Projekte gleichzeitig an. Wichtig ist ein „Follow-Through“ anstatt zu arbeiten, wenn man sich gerade kreativ und gut fühlt. Generell leiere ich die Projekte gerne selber an, anstatt auf Aufträge zu warten. Egal ob es sich dabei um Foto-Sessions oder Buch-Projekte handelt.

Es folgten Ausstellungen unter anderem in den Filmmuseen Frankfurt und Berlin und im Goethe Institut in Paris. Nach dem Band über Rolf Hoppe, folgte das Filmstar-Buch „NEUBAUER“, dann „PANORAMA NUDES“, fotografiert mit einer Noblex. Außerdem erschienen ein Band über Okoberfestbesucher „WIESNLEUT“ und der Aktband „SEXY UND PUR“.

„Meinem Stil bin ich immer treu geblieben. Inszeniert und intim zugleich.“

Inge Meysel
Udo Kier

Als ehemaliger Schauspielschüler, lag es für mich nahe Schauspieler zu portraitieren. Mir ist es besonders wichtig, die Werke meiner Modelle zu kennen. Außerdem lege ich bei der Planung meiner Sessions sehr viel Wert auf die richtige Location und ausreichend Zeit. So kann ich dann intuitiv arbeiten. Die Session selbst läuft meist nebenbei. Ich unterhalte mich währenddessen gerne über alles Mögliche und manchmal singe ich sogar, um bloß keine Langeweile aufkommen zu lassen!

Es ist es einfach unerlässlich eine Fremdsprache fließend zu beherrschen, da kommen mir die vier Jahre, die ich im Ausland verbracht habe, immer wieder zugute. In London und New York konnte ich mein Englisch verbessern.

Meinem Stil bin ich immer treu geblieben. „Inszeniert und intim zugleich.“ Werbebilder sind nichts für mich,
ich möchte den Moment einfangen. Ich habe eine Vorliebe für schwarz-weiße Bilder, wenngleich sich das durch den Wechsel zur digitalen Fotografie bei mir etwas gewandelt hat. Am Anfang fiel es mir noch schwer meinen Schwarz-Weiß-Look digital herzustellen. Dafür war es sehr viel leichter geworden mit Farbe zu spielen.

„Als ehemaliger Schauspielschüler, lag es für mich nahe Schauspieler zu portraitieren.“

Kris Kristoffersen
Shirley MacLaine

Und wenn früher eine Redaktion hörte, dass die Bilder schwarz-weiß sind, kam entweder: „Dann müssen die Bilder aber wirklich toll sein.“ oder „Sorry geht nicht, wir haben schon eine Schwarz-Weiß-Produktion im Blatt.“ Heute ist klar, dass sie das Foto auch in Farbe kriegen könnten.

Ich denke allerdings, dass die Vorliebe für Schwarz-Weiß bei manchen auch etwas mit den Sehgewohnheiten zu tun hat. Während man meist nur sehr gute schwarz-weiße Fotos zu sehen bekommt, wird in Farbe auch viel Schrott publiziert. Man sieht selten graue, maue Schwarz-Weiß-Fotos, aber viele Colorbilder, bei denen die Farbe keine große Rolle spielt.

Zurzeit arbeite ich an fünf neuen Büchern. Unter anderem wieder ein Aktband mit einem Model, mit dem ich schon seit Jahren zusammen arbeite. Und natürlich wird auch wieder etwas in Richtung Schauspielerei erscheinen. Und ich selbst mache wieder etwas im Bereich der Schauspielerei – einen Clownworkshop mit Jango Edwards, der zu mir sagte: „You did not stop, you paused for 30 years.“ Infos, Publikationen und
mehr Werke des Künstlers: Andreas Neubauer
www.andreasneubauer.com


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